Schwäbische Alb

Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb, früher auch Schwäbischer Jura oder Schwabenalb genannt, ist ein Mittelgebirge in Süddeutschland und mit Kleinteilen in der Schweiz. Sie ist etwa 200 bis 220 km lang, 20 bis 40 km breit, inklusive des kleinen Schweizer Anteils 5887,35 km²[1] groß und bis 1015,7 m ü. NHN[2] hoch. Das Gebirge besteht aus mesozoischem Kalkstein aus der Zeit des Jura und gilt als eines der größten zusammenhängenden Karstgebiete in Deutschland.

Neben dem Schwarzwald und dem Bodensee gilt die Schwäbische Alb als eine der touristischen Hauptattraktionen im Südwesten Deutschlands. Bedeutend ist sie vor allem als Wander-, Kletter– und Wintersportregion. Bekannt ist sie auch aufgrund ihrer erdgeschichtlichen Besonderheiten; durch die lange menschliche Besiedlungsgeschichte seit der Steinzeit mit zahlreichen materiellen und konstruktiven Hinterlassenschaften aus allen Epochen zeichnet sie sich als Region mit reichem kulturellem Erbe aus.

Geologisch gesehen ist die Schwäbische Alb eine Schichtstufe im Südwestdeutschen Schichtstufenland. Wie die sie nordöstlich fortsetzende Fränkische Alb ist sie ein Tafeljura-Gebirge. Zusammen mit dem Faltenjura, der im Südwesten anschließt, ist sie Bestandteil der Jura­gebirgszüge zwischen Genf und Coburg.

Entstehung im Jurameer

Schichten

Die Schwäbische Alb besteht aus sedimentären marinen Ablagerungen in Form mächtiger Schichten aus Ton, Kalk und Mergel. Diese Gesteine entstanden während der Jurazeit am Boden eines tropischen, eher flachen Meeres, das vor etwa 200 bis 150 Millionen Jahren große Teile Europas bedeckte. Die jurassischen Gesteine bilden drei Hauptformationen. Nach ihrer Farbe unterscheidet man lokal von unten nach oben Schwarzer, Brauner und Weißer Jura.

Man findet heute dort in einigen Schichten Fossilien von Meeressauriern, aber auch von Flugsauriern, die von der Küste auf das Jurameer hinausflogen, um dort Fische und andere Lebewesen zu fangen.

Schwarzer Jura

Versteinerte Seelilie aus dem Schwarzen Jura bei Holzmaden

Die Gesteine des Schwarzen Jura sind Tonschiefer und werden durch einen hohen Gehalt an Bitumen und Pyrit dunkler gefärbt. Man spricht auch (fälschlich) von Ölschiefer. Dieses Gestein tritt am Fuß des Albtraufs auf und ist berühmt für seine Funde von Ichthyosauriern. Am besten kann man diese im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden oder im Fossilienmuseum des Holcim-Werkforums in Dotternhausen betrachten. Das Fossilienmuseum in Dotternhausen beherbergt über 1.000 Exponate von Jurafossilien der Westalb.

Brauner Jura

Die Schichten des Braunen Jura, sandig-tonige Mergel, erhalten ihre braune Farbe durch einen recht hohen Gehalt an Eisen. Dieses Eisen wurde in Wasseralfingen bei Aalen auch als oolithisches Eisenerz abgebaut. Zu dieser Schicht gehört das Aalenium, eine chronostratigraphische Stufe des Mitteljura und umfasst geochronologisch den Zeitraum von etwa 174,1 bis 170,3 Millionen Jahren. Die Stufe ist seit 1864 benannt nach der Stadt Aalen. Die ersten Fossilienfunde wurden unter anderem im Tiefen Stollen in Aalen gemacht. Hiervon ist ein großer Teil im städtischen Urweltmuseum Aalen ausgestellt.

Weißer Jura

Kalksteinbruch bei Willmandingen/Sonnenbühl. Mittlere Kuppenalb. Gebankter Kalkstein der Unteren Felsenkalk-Formation (Kimmeridgium). Die Steinbruchwand lässt Klüfte erkennen, die durch Verkarstung akzentuiert und teilweise zu relativ breiten Spalten geweitet sind. Zahlreiche Klüfte und Spalten sind verfüllt mit tropisch verwittertem, rot-braunem Bohnerzlehm des Känozoikums. Verteilt im Kalkstein liegen zementgraue Mergeleinschlüsse vor. Wie häufig (außer in Schwemmtälern), ist die Mutterbodenschicht über dem festen Karbonatgestein äußerst dünn.

Der Weiße Jura, der die Steilstufe des Albtraufs bildet, besteht aus fast reinem Calcit, der in einem sauerstoffreichen und lebendigen Meer abgelagert wurde. Er ist charakterisiert durch eine wechselnde Folge von Mergeln, Kalkbänken und Massenkalken (Riffen). Der in einer Reihe großer Steinbrüche – beispielsweise am Plettenberg nahe Dotternhausen, bei Schelklingen und bei Grabenstetten – abgebaute Kalkstein wird zur Zementherstellung und als Straßenschotter verwendet. Hochreine Kalksteine – der CaCO3-Gehalt beträgt teilweise über 99 % – werden im Blautal bei Ulm gewonnen und als Ulmer Weiß an die chemische Industrie in alle Welt verkauft.

Wirtschaftlich spielte auf der Schwäbischen Alb auch der Abbau von Kalktuff eine große Rolle, der indirekt als sekundäres Sediment dem weißen Jura zugeordnet werden kann. Typlokalitäten wie etwa der Seeburger und der Gönninger Kalktuff werden unterschieden. Wegen seiner materialspezifischen Belastbarkeit und Witterungsbeständigkeit wurde Kalktuff aus Seeburg an vielen repräsentativen Gebäuden wie etwa dem Ulmer Münster verwendet. Voraussetzung für die Entstehung von Kalktuff sind aber Verkarstungsprozesse.

Fossilien

In allen Jurasedimenten sind vielfältige Fossilien enthalten, die man auf einer Wanderung leicht selbst finden kann. Anhand der für die jeweilige Schicht typischen Leitfossilien erstellte der Geologe Friedrich August von Quenstedt die nach ihm benannte Gliederung des süddeutschen Juras.

Manche Fossilien finden sich über die ganze Schwäbische Alb hinweg, andere wiederum sind Unikate oder Fundstücke einer bestimmten Region. In vielen Museen der Welt sind aufgrund ihrer filigranen Ästhetik die fossilien Korallen der Schwäbischen Alb ausgestellt. Ein wichtiger Fundort von Fossilien aus dem Malm stellt die Nusplinger Platte dar mit den dort natürlich vorkommenden dünnen Kalkplatten. Meerengel tummeln sich in versteinerter Form neben Riesenlibellen und fossilien Meereskrokodilen.

Erminger Turritellenplatte

Am Südrand der Schwäbischen Alb treten tertiäre Ablagerungen auf, die die Oberfläche bilden. Besonders bekannt durch ihren marinen Fossilreichtum ist die Erminger Turritellenplatte bei Ulm.

Heldenfinger Kliff

Hauptartikel: Heldenfinger Kliff

Die Klifflinie (grün gestrichelt) entlang des Südrandes der Schwäbischen Alb zwischen den Landkreisen Heidenheim (rechts oben) und Tuttlingen (links unten)

Das Heldenfinger Kliff war Teil der Felsküste des tertiären Meeres (Obere Meeresmolasse) vor 15 Millionen Jahren. Der lang andauernde Anprall der Wellen hat auf der Südseite der Schwäbischen Alb eine typische Hohlkehle mit Löchern von Bohrmuscheln und Bohrschwämmen aus dem Weißjurafels herausgearbeitet. Das Heldenfinger Kliff wird von Geologen als besterhaltener fossiler Strand bezeichnet, deshalb ist diese Klifflinie auch zu wissenschaftlicher Bedeutung gelangt und als Naturdenkmal und als Geotop geschützt.

Steinheimer Schneckensand

Als Steinheimer Schneckensand wird der mit fossilen Schneckengehäusen durchmischte Sand bezeichnet, der an vielen Stellen im Steinheimer Becken zutage tritt. Der Paläontologe Franz Hilgendorf stellte in den 1860er Jahren fest, dass die Schneckengehäuse von Schicht zu Schicht ihre Gestalt langsam verändern; dies war der erste paläontologische Beleg für die Evolutionstheorie Charles Darwins.

Grimmelfinger Graupensande

Am Südrand der Schwäbischen Alb werden Grimmelfinger Graupensande abgebaut, die der Graupensandrinne zugehören. Diese Rinne erhielt ihren Namen nach dem Basiskonglomerat, dem Graupensand (enthält Kleingerölle in der Größe von Graupen), das erosionsdiskordantSchichten der Oberen Meeresmolasse und Unteren Süßwassermolasse, teilweise auch direkt Jura-Kalken auflagert. Darin werden Fossilien gefunden. Diese Rinne verläuft von Nordost nach Südwest annähernd entlang des Südrands des Schwäbischen und Fränkischen Jura.

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